Alte Kirchenlieder

Einfach weil ich sie mag

Tauler, Johannes – Es kommt ein Schiff geladen

Es kommt ein Schiff geladen
Bis an sein’n höchsten Bord;
Es trägt Gott’s Sohn voll’r Gnaden,
Des Vaters ewigs Wort.

Das Schiff geht still im Triebe,
Es trägt ein’ theure Last;
Der Segel ist die Liebe,
Der heil’ge Geist der Mast.

Der Anker haft’t auf Erden,
Und das Schiff ist am Land;
Gott’s Wort thut uns Fleisch werden,
Der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren
Im Stall ein Kindelein,
Giebt sich für uns verloren;
Gelobet muß es seyn.

Und wer dieß Kind mit Freuden
Küssen, umfangen will,
Der muß vor mit ihm leiden
Groß Pein und Marter viel;

Danach mit ihm auch sterben
Und geistlich auferstehn,
Ewigs Leben zu erben,
Wie an ihm ist geschehn.

Tauler, Johannes – MEin geist hat sich ergangen

Ein ander lietlein der das dichte, dem was also zus must.

( aus Joh. Taulers Werken, Köln 1543 in fol., Blatt cccxxxi.)

MEin geist hat sich ergangen
in eine wueste stil,
da noch wort noch weyse in steet.
ein wesen hatt mich umbfangen,
da ist keynn wunder inne.

Mein geist hat sich ergangen,
vernunfft kan das nit erlangen,
es ist oben allen sinnen,
und des wil ich mein suchen laen.

Meyn geist hat sich ergangen
zu eyner stunt:
sinck in den grundt,
die ungeschaffene selicheit die wirtt dir kunt.

Scheid dich von nit,
du findts das nit,
dz die zunge leügnt und bleibt doch yet,
Das der geyst alleyne versteet,
der keyns furdels pflecht.

Tauler, Johannes – MEin got hat mich getrostet wol,

Noch ein liedtlein von ein ledig entsincken inn der gotheyt

MEin got hat mich getrostet wol,
bin ich ledich als ich sol,
er wil mich weder machen:
Kunt ich zumal ledig steen
und mit Christo vorwartz geen,
das wer eyn riche sache.

Nochant muß ich ferrer mee
dringen in der gotheit see,
Dar in geforcht ich nummermer,
ein stimme kan da nit klaffen:

Ach ryches wesen, wie ist dem so wol,
der in der gotheit schwimmen sol!
Sein hertz dz ist freüden vol,
Got der ist seyn sache.

Got hat mir gegeben zill,
sicher er mir geben wil,
wan ich das geschaffen,
Das eynn und eyn vereinicht wirt,
die gotheit ist jr aneblick,
das thun der lieben kreffte.

O riches wesen, wie ist dem so wol,
der in der gotheit schwimmen sol!
Seyn hertz dz ist freuden vol,
wan got der ist seynn sache.

Tersteegen, Gerhard – Nun sich der Tag geendet,

Nun sich der Tag geendet,
Mein Herz zu dir sich wendet
Und danket inniglich.
Dein holdes Angesichte
Zum Segen auf mich richte,
Erleuchte und entzünde mich.

Ich schließe mich aufs neue
In deine Vatertreue
Und Schutz und Herze ein.
Die fleischlichen Geschäfte
Und alle finstern Kräfte
Vertreibe durch dein Nahesein.

Daß du mich stets umgibest,
Daß du mich herzlich liebest
Und rufst zu dir hinein,
Daß du vergnügst alleine,
so wesentlich, so reine,
Laß früh und spät mir wichtig sein!

Ein Tag, der sagt dem andern,
Mein Leben sei ein Wandern,
Zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne,
Mein Herz an dich gewöhne,
Mein Heim ist nicht in dieser Zeit.

Tersteegen, Gerhard – Brunn alles Heils, dich ehren wir

1. Brunn alles Heils, dich ehren wir
und öffnen unsern Mund vor dir;
aus deiner Gottheit Heiligtum
dein hoher Segen auf uns komm.

2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib,
er segne uns nach Seel und Leib,
und uns behüte seine Macht
vor allem Übel Tag und Nacht.

3. Der Herr, der Heiland, unser Licht,
uns leuchten laß sein Angesicht,
daß wir ihn schaun und glauben frei,
daß er uns ewig gnädig sei.

4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb,
sein Antlitz über uns erheb,
daß uns sein Bild werd eingedrückt,
und geb uns Frieden unverrückt.

5. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist,
o Segensbrunn, der ewig fließt:
durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl,
mach uns deins Lobs und Segens voll!

Tersteegen, Gerhard – Die geistliche Schmiedekunst.

Mein Herz, ein Eisen grob und alt,
So hart, so kalt, so ungestalt;
Der Hausherr kann es so nicht brauchen,
Die Liebe soll mein Feuer sein,
Durchs Beten komm’ ich da hinein;;
Ich halte still, und laß es rauchen.

Bläs’t dann der sanfte Liebeswind,
So wird das Herz im Leib’ entzünd’t;
Ich halte still, und laß es glühen.
Des Eisens Schwärze muß vergehen,
Es wird allmälig weich und schön,
So glühend man’s heraus mag ziehen.

Der Sterbens- und Verleugnungs weg
Der Ambos ist, drauf ich mich leg’,
Da fängt der Meister an zu schlagen,
Des Meisters Arm giebt Schlag um Schlag,
Das weiche Eisen giebet nach,
Es läßt sich wenden, krümmen, plagen.

Es will sich noch nicht geben recht,
Drum ruft der Meister einen Knecht,
Der vorschlägt mit dem groben Hammer.
Der gute Freund und Helfersmann
Giebt tapfer Schläg’, so gut er kann;
Schlag’ zu, so komm’ ich aus dem Jammer!

Des Meisters Hand lenkt Alles wohl,
Daß jener schlägt da, wo er soll,
Und wie es zur Gestaltung nütze.
Bald legt er’s wieder in die Gluth,
Bald geht das Schmieden wieder gut,
Die Schläge folgen auf die Hitze.

Im Feuer schien das Eisen schön;
Da dacht’ ich, nun ist’s bald geschehn.
Indem war Feuer und Glanz entzogen,
Da ward mein Eisen schwarz und kalt,
Noch gar zu roh in der Gestalt,
Da sah mein Hoffen sich betrogen.

Am Feilbrett immer Noth und Pein,
Man schraubte mich so kalt hinein,
Man klemmte mich, um nicht zu weichen;
Man strich mit scharfen Feilen kühn,
Da flogen tausend Spähne hin,
Drauf mußte man’s ins Feine streichen.

Mein Meister, der versteht die Kunst,
Regier’ mich, so polier’ mich sonst,
Werd’ ich nun endlich Dir anständig;
Doch hilft kein fein polirter Glanz,
Nicht über-, nein durchgüldet ganz
Sei Herz und All’s und feu’rbeständig.

Tersteegen, Gerhard – Du, Gott, bist selbst Dir Ort und Zeit

Du, Gott, bist selbst Dir Ort und Zeit,
Der Ewige in Ewigkeit,
Ohn’ Anfang, ohne End und Schranken.
Dein prächtig Heiligthum bist Du,
Besitz’st Dich ganz in einem Nu
Ohn alle Aend’rung, ohne Wanken.
Verlaß ich Zeit und Ort und mich,
Gott, Ewigkeit, dann find’ ich Dich.
Hallelujah, Hallelujah!

Du bist, Du warst, wirst immer sein,
Unsterblichkeit hast Du allein;
Mein Geist, Dein Hauch, hat’s durch Dein Geben.
Es mag vergehn die ganze Welt,
Ob auch mein Leibesbau zerfällt,
Du, Ew’ger, schenkst mir ew’ges Leben.
Die arme Saat, der Leib, soll schön
Durch Deinen Hauch einst auferstehn.
Hallelujah, Hallelujah.

Mein anfang und mein End bist Du,
Der wahre Zielpunkt meiner Ruh,
Mein Herzensschatz, des Geistes Speise.
Mein Wollen, Lieben, richt auf Dich,
Daß ich nach Dir nur lauterlich,
Du, meine Heimath, richt die Reise;
Und durch Dich lebe allezeit,
Du Ew’ger in der Ewigkeit.
Hallelujah! Hallelujah!

Tersteegen, Gerhard – Frühlingslied

Komm, laß uns gehen, mein Freund, hinaus aufs Feld,
Laß uns besehen des Frühlings Pracht und Freude,
Schau’ da Dein Werk! Die Erd’ im neuen Kleide;
Sie grünt, sie blüht; Dir jauchzet alle Welt.

Der Vöglein Schaar singt lustig Tag und Nacht;
Das Bienlein saugt gar emsig bei dem Wetter,
Wie süß bestreahlt die Sonne Blum’ und Blätter!
Du bist’s, mein Licht, der Alles fröhlich macht.

Im Herzen Du, dort außen die Figur;
Ich liebe Dich in Deinen Schildereien,
Und muß mich ja herzkindlich drüber freuen,
Wie schön, wie schön ist Deine Creatur!

Das kleinste Blatt, das feinste Gräselein
Rühmt Deine Kunst. Was grünt und blüht und lebet,
Ein liebend Herz entzückt zu Dir erhebet,
Wie schön, wie schön muß nicht das Urbild sein!

Deine Himmelpracht, Dein tausend Tausendschön,
Draus im Triumph stets neue Wunder grünen,
Dein Leben und Dein Geben, uns zu dienen,
Kann ich vergnügt in dem Geälde sehn.

Die Sonne lockt der Blüthe Knospen aus,
Die Erde trägt den Schooß voll Erstlingsgaben,
Gras, Kraut und Korn zum Nähren und zum Laben;
Hier bing’ ich’s Dir als Priester in Dein Haus.

Ich schaue dort mit süßem Andachtsblick,
Der Blumen Zier in Gärten und in Wiesen;
Gestalt, Geruch und Farben hoch gepriesen,
Und bringe Dir die ganze Pracht zurück.

Die Nachtigall singt Hallelujah Dir,
Bewunderend den neuen Schmuck im Grünen.
Hör’, Liebster, hör’, so will ich auch Dir dienen,
In Dir mein Herz sich freu’ und jubelir’.

Die Lerche trägt Dein, Lob, so hoch sie kann;
Ich möcht’ in Dir, als meiner Luft, so schweben,
Disch, selig’s Gut, mit höchstem Lob erheben;
Doch, wer erreicht’s? Ich sink’ ich bete an!

Tersteegen, Gerhard – Gott ist gegenwärtig

Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitten. Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt,
wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder;
kommt, ergebt euch wieder.

Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen
Tag und Nacht gebücket dienen.
Heilig, heilig, heilig! singen ihm zu Ehre
aller Engel hohe Chöre.
Herr, vernimm
unsre Stimm,
da auch wir Geringen
unsre Opfer bringen.

Wir entsagen willig allen Eitelkeiten,
aller Erdenlust und Freuden;
da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben,
dir zum Eigentum ergeben:
du allein
sollst es sein,
unser Gott und Herre,
dir gebührt die Ehre.

Majestätisch Wesen, möcht ich recht dich preisen
und im Geist dir Dienst erweisen!
Möcht ich wie die Engel immer vor dir stehen
und dich gegenwärtig sehen!
Laß mich dir
für und für
trachten zu gefallen,
liebster Gott, in allem.

Luft, die Alles füllet, d’rinn wir immer schweben,
aller Dinge Grund und Leben,
Meer ohn’ Grund und Ende, Wunder aller Wunder,
ich senk’ mich in dich hinunter;
ich in dir,
du in mir,
laß mich ganz verschwinden,
dich nur sehn und finden.

Du durchdringest alles; laß dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte.
Wie dir zarten Blumen willig sich entfalten
und der Sonne stille halten:
laß mich so
still und froh
deine Strahlen fassen
und dich wirken lassen.

Mache mich einfältig, innig, abgeschieden,
sanft und still in deinem Frieden;
mach mich reines Herzens, daß ich deine Klarheit
schauen mag im Geist und Wahrheit.
Laß mein Herz
überwärts
wie ein Adler schweben
und in dir nur leben.

Herr, komm in mir wohnen, laß mein Geist auf Erden
dir ein Heiligtum noch werden;
komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre,
daß ich dich stets lieb und ehre.
Wo ich geh,
sitz und steh,
laß mich dich erblicken
und vor dir mich bücken.

Tersteegen, Gerhard – Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich hören?

1. Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich hören?
Wie laß ich mich bezaubern und betören!
Die kurze Freud, die kurze Zeit vergeht,
und meine Seel noch so gefährlich steht.

2. Gott rufet noch. Sollt ich nicht endlich kommen?
Ich hab so lang die treue Stimm vernommen;
ich wußt es wohl: ich war nicht, wie ich sollt;
er winkte mir, ich habe nicht gewollt.

3. Gott rufet noch. Wie, daß ich mich nicht gebe!
Ich fürcht sein Joch und doch in Banden lebe.
Ich halte Gott und meine Seele auf.
Er ziehet mich; mein armes Herze, lauf!

4. Gott rufet noch. Ob ich mein Ohr verstopfet,
er stehet noch an meiner Tür und klopfet;
er ist bereit, daß er mich noch empfang;
er wartet noch auf mich. Wer weiß, wie lang?

5. Gib dich, mein Herz, gib dich nun ganz gefangen.
Wo willst du Trost, wo willst du Ruh erlangen?
Laß los, laß los; brich alle Band entzwei!
Dein Geist wird sonst in Ewigkeit nicht frei.

6. Gott locket mich; nun länger nicht verweilet!
Gott will mich ganz; nun länger nicht geteilet!
Fleisch, Welt, Vernunft, sag immer, was du willi,
meins Gottes Stimm mir mehr als deine gilt.

7. Ich folge Gott, ich will ihm ganz genügen;
die Gnade soll im Herzen endlich Siegen.
Ich gebe mich; Gott soll hinfort allein
und unbedingt mein Herr und Meister sein.

8. Ach nimm mich hin, du Langmut ohne Maße;
ergreif mich wohl, daß ich dich nie verlasse.
Herr, rede nur, ich geb begierig acht; führ,
wie du willst, ich bin in deiner Macht.

  • Impressum

    Dies ist ein privates Angebot von

    Andreas Janssen
    Im Kreuzgewann 4
    69181 Leimen

    webmaster@alte-lieder.de

  • Copyright

    Alle Texte dieser Seite dürfen für nicht-kommerzielle Zwecke verwendet werden - sei es Gemeindeblätter, Webseiten, Predigten etc.

    Bei kommerzieller Nutzung bitte ich um vorherige Nachfrage.